Politik (Ausland) | 09.07.10
Berlin (ots) - Täuscht der Eindruck, oder haben sie auf die Bremse getreten? Aus Paris erreichen uns wahrlich präsidiale Bilder: Christian Wulff schreitet die prächtig behelmte Garde am Pariser Elysée-Palast ab. So kennt man Bundespräsidenten, so sind sie uns vertraut. Dieser hier mag jünger sein als gewohnt. Aber die staatsmännischen Gesten vor laufender Kamera beherrscht auch er.
Angefangen hatte Wulffs erste Woche als Bundespräsident ganz anders - mit einem Kussfoto. So demonstrativ romantisch hat noch nie ein deutscher Bundespräsident sein Amt angetreten. Im ersten Glücksmoment der im dritten Anlauf gewonnenen Wahl umarmt und küsst sich das Ehepaar Wulff vor den Augen der Fotografen. "Der Präsidenten-Kuss" titelt "Bild" am nächsten Tag. Keine Frage, das Paar ist attraktiv. Dieses Bild lässt Christian Wulffs Umfragewerte sofort in die Höhe schießen, weit effektiver, als es eine Rede oder ein Interview vermocht hätten. Es bleibt aber dabei: Privatleben und öffentliche Rolle, das ist ein schwieriger Balanceakt, schon manchen hat man abstürzen sehen. Christian Wulff steckt im Dilemma des modernen Politikers: Was ist die richtige Dosis Privatleben, die ihn uns, dem Publikum, näher bringt? Genug Glanz seiner attraktiven blonden Gattin, damit wir ein bisschen ins Träumen geraten. Aber bitte nicht zu viel. Sonst wird der eher blasse Herr Wulff bald von seiner Bettina überstrahlt. Wie schnell das gehen kann, zeigte wenige Tage nach der Wahl ein Münchner Nachrichtenmagazin.














