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Afrikas hochfliegende Erwartungen an Obama

Friday, 14. November 2008
afrika_hunger40454.jpgIn Schwarzafrika herrscht Euphorie über Obamas Aufstieg zum ersten schwarzen Präsidenten der USA. Während besonnene Stimmen vor überschwänglichen Erwartungen warnen, rechnen manche Kenyaner damit, dass Obama für sie Kliniken, Strassen und Schulen bauen

Barack Obamas Wahl zum Präsidenten der USA ist für praktisch alle Schwarzafrikaner ein Grund, stolz zu sein. Für einmal überwiegen nicht die sonst weitverbreiteten tribalistischen Reflexe, sondern es herrscht allgemeine Euphorie darüber, dass ein Schwarzer ein so bedeutendes Amt erkämpft hat. Bei anderen Gelegenheiten nehmen viele Schwarzafrikaner selbst die geringsten Abstufungen in der Hautfarbe wahr. Frauen schmieren sich giftige Crèmes ins Gesicht, um einen helleren Teint zu erhalten. Auch die afrikanische Werbung benutzt mit Vorzug hellhäutige Models, um ihre Botschaft unter die Kunden zu bringen.

So gesehen entspricht der Mischling Obama durchaus einem afrikanischen Schönheitsideal. In der afrikanischen Politik allerdings hätte es ein Barack Obama wahrscheinlich nicht leicht gehabt. «Braune» Mischlinge stossen in Afrika oft auf Vorurteile der «reinrassigen» Schwarzen.

Reisen ins Land der Vorfahren

Die Freude über Obamas Wahl zum ersten schwarzen Präsidenten der USA ist im frankophonen Afrika vielleicht etwas weniger ausgeprägt als in den einst britischen Kolonien, allen voran Kenya. Obamas verstorbener Vater war Kenyaner, und Obama hat das Land seiner Vorfahren väterlicherseits mehrmals besucht, das letzte Mal 2006. 40 Jahre Entwicklungshilfe haben in vielen Schwarzafrikanern die Illusion genährt, die Lösung ihrer Probleme komme von aussen.

So gesehen ist es nur natürlich, wenn die Leute sich nun alles Mögliche und Unmögliche von Obama erhoffen. Im Westen von Kenya, in der Provinz Nyanza am Victoriasee, sind die Erwartungen wohl am höchsten. Dort lebt die Ethnie der Luo, zu der Obamas verstorbener Vater gehörte. Die Luo sind ein nilotisches Volk, das vor langer Zeit aus dem Gebiet des heutigen Sudan ausgewandert war und sich unter anderem am östlichen Ufer des Victoriasees niedergelassen hat. Luo leben auch in Kenyas Nachbarstaat Uganda und zum Teil im Südsudan. In jenen Gebieten heissen die Luo-Stämme zum Beispiel Acholi oder Langi.

Die nilotischen Ursprünge der Familie Obama liessen einen kenyanischen Politologen in der ugandischen Tageszeitung «The Monitor» von einer «nilotischen Umarmung» sprechen. Für Barack Obama wenig schmeichelhaft fiel jedoch der ungeschickte Vergleich aus, mit dem der Professor einen Bogen vom blutrünstigen ugandischen Diktator Obote, dem ersten Luo-Präsidenten des Landes, zum künftigen amerikanischen Präsidenten zu spannen versuchte. Unter den kenyanischen Luo fragte man sich im Witz schon lange, ob Kenya oder Amerika zuerst einen Luo-Präsidenten erhalte. Die USA haben dieses «Rennen» nun für sich entschieden, nachdem Kenyas Präsident Kibaki dem Luo und jetzigen Premierminister Odinga letzten Dezember den Wahlsieg gestohlen hatte.

Das Dorf Kogelo in der verarmten Provinz Nyanza erlebte vor und während der Bekanntgabe der amerikanischen Wahlresultate einen bizarren Medienrummel. In Kogelo lebt Obamas Grossmutter Sarah. Die weit über 80-jährige Frau muss sich nun schon seit Monaten die immergleichen Fragen von Journalisten anhören. Kurz nachdem Obamas Sieg festgestanden hatte, ordnete Präsident Kibaki einen ausserordentlich Feiertag an. Und in Kogelo machte sich die staatliche Elektrizitätsgesellschaft plötzlich daran, Häuser ans Stromnetz anzuschliessen.

Den Medienrummel rund um Kogelo nutzten beispielsweise Minibusse dazu aus, die Fahrpreise zu verdoppeln. In der Provinzhauptstadt Kisumu waren Taxis und Hotels ausgebucht. Die Stadt erhofft sich nun einen Boom von Touristen aus Amerika. Dabei ist selbst im besten Hotel am Platz das Trinkwasser knapp, obwohl Kisumu direkt an einem der grössten Süsswasserseen der Welt liegt. Selbst in der Hauptstadt Nairobi rechnet man mit einem Zustrom amerikanischer Touristen, die Obamas afrikanische Wurzeln erforschen wollen. Neben dem praktisch obligaten Besuch in einem der atemberaubenden kenyanischen Nationalparks würden die Obama-Fans dann auch ins touristische Niemandsland um Kisumu reisen.

In Nyanza melden die Geburtskliniken, dass viele Neugeborene auf die Namen Barack bzw. Michelle Obama getauft würden. Eine ganze Menge von Kenyanern, unter ihnen laut Medienberichten auch Premierminister Odinga, wollen nun plötzlich mit den Obamas verwandt sein. Welchen Kultstatus der künftige Präsident der USA bereits erreicht hat, lässt sich an den Recherchen von kenyanischen Journalisten ablesen, die ein heruntergekommenes Wohnhaus in Nairobi aufsuchten. In einem der Apartments leben Verwandte von Obama, die dieser bei der Suche nach seinen kenyanischen Wurzeln besucht hatte – vor rund 20 Jahren.

Grosse Hoffnungen

Grosse Hoffnungen hegen auch viele Bewohner der sudanesischen Krisenregion Darfur. Obama und sein designierter Vizepräsident Joe Biden haben sich beide für eine Verschärfung der Gangart gegenüber dem Regime in Khartum ausgesprochen, falls dieses nicht endlich seinen Widerstand gegen die Stationierung von Uno-Truppen in Darfur aufgebe. Wie zuvor die Regierung Bush hat auch Obama die Vorgänge in Darfur als Genozid gebrandmarkt. Die Chefs der Darfur-Rebellen begrüssten Obamas Wahl unisono und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass der neue Präsident die Lösung der Krise in Darfur zu einem seiner aussenpolitischen Schwerpunkte machen werde.

Etwas nüchterner scheint die Begeisterung auf der anderen Seite des Kontinents zu sein. In Côte d'Ivoire stand in der Zeitung «Notre Voie», dass nach Obamas Triumph die Zeit nun wohl auch reif sei für einen schwarzen Papst. Und Senegals Präsident Wade dämpfte die Erwartungen all jener, die in Obama einen neuen Messias zu erkennen glauben, der Afrikas Probleme entschlossen angehen werde. Obama müsse zuallererst als Amerikaner gesehen werden. Und der grösste Dienst, den der amerikanische Präsident der Welt und damit auch Afrika erweisen könne, sei, zuerst sein eigenes Haus in Ordnung zu bringen. Denn ein Zusammenbruch der amerikanischen Wirtschaft würde sich zu einer weltweiten Katastrophe ausweiten.

 
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