Börse | 15.07.10
Fidelity Marktkommentar zum Ausblick für das 2. Halbjahr - Teil 2:
Kronberg im Taunus, 15. Juli 2010
In drei Marktkommentaren berichten Fondsmanager von Fidelity International über ihre Erwartungen für das zweite Halbjahr 2010. Im zweiten Teil geht es um europäische Aktienmärkte. Nachdem der erste Teil einen Ausblick für die globalen Märkte gegeben hat, wird der dritte Teil die Märkte in Asien und den Schwellenländern betrachten.
Alexander Scurlock, Manager des Fidelity European Growth Fund:
"Derzeit bestimmt eine extreme Marktreaktion mit anhaltender Volatilität und geringer Liquidität die Situation in Europa. Die Anleger orientieren sich immer kurzfristiger. Sie achten vor allem auf die Liquiditätsproblematik, die wahrscheinlich durch politische Eingriffe früher oder später gelöst werden wird. Auch wenn die negativen Einschätzungen der Anleger zur Zukunft Europas teilweise nicht ganz von der Hand zu weisen sind, habe ich den Eindruck, dass der Markt die europäischen Volkswirtschaften und die europäischen Unternehmen über einen Kamm schert. Deshalb sind die Aktienbewertungen zurzeit günstig, vor allem im Vergleich zu anderen Anlageklassen. Ich halte an meinem positiven Ausblick für Europa fest. Wir durchleben momentan eine typische Bullenmarkt-Rallye mit der viel zitierten "Mauer der Angst". Es wartet immer noch reichlich Kapital auf seine Wiederanlage, während es aus extrem defensiven Bereichen langsam wieder abfließt. Insgesamt aber wird weniger Geld in europäischen Aktien angelegt als abgezogen.
Der harte Sparkurs in Europa bestärkt viele in der Überzeugung, dass sich die Länder auf dem alten Kontinent langsamer erholen werden. Steigende Steuern und sinkende Staatsausgaben werden das BIP-Wachstum weiter abbremsen. Deshalb ist es im Vergleich zu anderen Regionen schwieriger, Firmen mit Wachstumspotential in Europa zu finden. Bei diesen Rahmenbedingungen bevorzuge ich Unternehmen, die in den Schwellenmärkten aktiv sind und Firmen, die von der zyklischen Erholung profitieren, aber auch Exporteure, Personaldienstleister und Logistikanbieter. Vor allem den Exporteuren dürfte der schwache Euro Auftrieb geben. Daneben setze ich über den Verbrauch in den Schwellenländern auch auf strukturelles Wachstum. Interessant finde ich Luxusgüter- und Haushaltswarenhersteller sowie Brauereien. Zu meinen Favoriten zählen außerdem innovative Unternehmen und solche, die den Produktzyklus zu ihrem Vorteil nutzen können. Allerdings bieten sich hier in letzter Zeit nur wenige interessante Anlagechancen. Schließlich sehe ich auch Unternehmen mit monopolistischer Preismacht in einer starken Position. Dazu zähle ich vor allem Banken, die sich in der Krise bewährt haben, Brauereien und Bergbaugesellschaften."
Thomas Fraenkel-Thonet, Fondsmanager des Fidelity European Larger Companies Fund:
"Die Stimmung an den europäischen Märkten wurde in den letzten Wochen zusätzlich durch die von Peking zurückgefahrenen Stimulierungsmaßnahmen und die schwächeren Zahlen zur US-Verbraucherstimmung getrübt. Keine Frage, in etlichen europäischen Ländern muss der Schuldenberg dringend abgetragen werden. Aber auch eine Entschuldung wie in den neunziger Jahren in Schweden und Kanada kann zum Erfolg führen. Beide Länder stehen heute sehr gut da. Viele europäische Länder werden durch strukturelle Anpassungen und Reformen wettbewerbsfähiger. Derweil gibt der schwächelnde Euro der Exportindustrie Rückenwind und beflügelt deren Margen und Wettbewerbsfähigkeit. Die meisten Industriefirmen, mit denen wir sprechen, sind nach wie vor recht optimistisch. Außerdem steigt die Verbrauchernachfrage in Europa - bis auf Griechenland - weiter leicht an.
Heute steht die Stimmung an den Aktienmärkten in krassem Gegensatz zu der des letzten Jahres, als Anleger sich auf riskantere Anlagen stürzten, um sich für eine Wirtschaftserholung in Stellung zu bringen. Für den Fidelity European Larger Companies Fund hatte ich im letzten Jahr beschlossen, dieser Stimmung nicht nachzugeben, sondern an meinem eher defensiven Profil festzuhalten.
Im Rückblick hat es sich ausgezahlt, auf Warren Buffet zu hören und dann "gierig" zu sein und zu kaufen, wenn andere ängstlich sind. Ich glaube, dass wir uns in einem Aufwärtszyklus befinden, der noch mehrere Jahre andauern wird. Die Bilanzen der Unternehmen sind so solide wie eh und je. Viele Aktien locken mit attraktiver Dividendenrendite. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass die Kurse früher oder später den Gewinnen nach oben folgen werden."
Fidelity International ist eine auf allen bedeutenden Finanzmärkten aktive Fondsgesellschaft mit einem verwalteten Fondsvermögen von 148,7 Milliarden Euro (Stand 31.12.2009). Die mehr als 1.000 Fondsmanager und Analysten von Fidelity bilden das größte Investment-Expertenteam der Welt. Zahlreiche Auszeichnungen belegen die hohe Qualität der Investmentprodukte und -dienstleistungen, die Fidelity International privaten und institutionellen Anlegern anbietet.
Die deutschen Unternehmen FIL Investment Services GmbH, FIL Investments International - Niederlassung Frankfurt, FIL Investment Management GmbH, FIL Pensions Services GmbH und FIL Finance Services GmbH mit Sitz in Kronberg im Taunus vertreiben 131 Publikumsfonds direkt sowie über mehr als 600 Kooperationspartner. Mit einem Fondsvolumen von 10,5 Milliarden Euro gehört Fidelity zu Deutschlands führenden Asset Managern. Daneben betreibt Fidelity mit der Frankfurter Fondsbank (FFB) eine der größten unabhängigen Fondsplattformen des Landes. Die FFB verwaltet ein Vermögen von 16,6 Mrd. Euro in 912.290 Kundenkonten. In beiden Geschäftsbereichen - dem Asset Management und dem Plattformgeschäft - zusammen beschäftigt Fidelity in Deutschland 316 Mitarbeiter (Stand 31.12.2009).
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